„Ich hätte gerne noch mehr Unterstützung im Übergang gehabt.“

Ich bin mit 13 Jahren alleine aus Afghanistan geflohen und mit 16 Jahren in meinem Wunschland Deutschland angekommen. In Deutschland habe ich ca. 3 Jahre in einer Jugendwohnung mit vielen anderen Geflüchteten zusammen gelebt. Als ich 18 Jahre alt war, wurde mir von der Jugendamtsmitarbeiterin im Hilfeplangespräch gesagt, dass ich die Jugendwohnung zeitnah verlassen und mir eine eigene Wohnung suchen muss. Das war zunächst ein großer Schock für mich, da ich mich noch nicht so weit sah, ganz allein zu wohnen und ich mich in der Jugendwohnung sehr wohl fühlte und dort gute Freunde gefunden hatte.

Zum Glück hatte ich eine gute und nette Betreuerin, die mir in der anschließenden Zeit sehr geholfen hat. Sie hat mir Internetseiten gezeigt, wo man eine Wohnung finden kann und ist mit mir zu Lawaetz Jugend und Wohnen gegangen, um mich dort anzumelden. Über meine ausgiebige Recherche im Internet habe ich selber eine Wohnung gefunden.
Meine Betreuerin hat mich zum Besichtigungstermin begleitet.

Mittlerweile hatte ich meinen Hauptschulabschluss geschafft und eine Ausbildung zum Maurer begonnen. Mein Ausbildungsgehalt hat aber bei weitem nicht gereicht, um die Miete zu bezahlen, sodass meine Betreuerin mit mir Berufsausbildungsbeihilfe und ergänzend Arbeitslosengeld II beantragt hat, damit ich genügend Geld für die Miete und das tägliche Leben hatte. Zudem hatte ich so gut wie keine Möbel, sodass meine Betreuerin mit mir Erstausstattung beim Jobcenter beantragt hat, die mir zum Glück auch genehmigt wurde, sodass ich notwendige Sachen wie Bett, Couch, Waschmaschine und Kühlschrank kaufen konnte.

Als klar war, dass der Auszug aus der Jugendwohnung und der Einzug in die eigene Wohnung kurz bevor stand, habe ich mir große Sorgen gemacht und war innerlich sehr aufgewühlt. Das war ein neues Gefühl für mich, welches ich aus der Zeit in der Jugendwohnung nicht kannte, da dort alles für mich geregelt wurde. Es fiel mir in der Zeit schwer mich auf die Schule und meinen Hauptschulabschluss zu konzentrieren, da mir alles sehr zu Kopf gestiegen ist. Ich habe zu der Zeit eine ambulante Psychotherapie im UKE besucht, die mir sehr dabei geholfen hat, die Flucht und die Situation in Deutschland zu verarbeiten. Meine Betreuerin hat mir in dieser Phase sehr viel Mut zugesprochen und mich motiviert, dass ich bis jetzt schon so viel geschafft habe, dass ich auch alleine in einer Wohnung leben kann. Das war sehr wichtig für mich zu wissen, dass jemand an mich glaubt, so dass ich mich recht schnell wieder auf meine Ausbildung konzentrieren konnte.

Vor meinem Auszug habe ich einige Herausforderungen und Schwierigkeiten nach meinem Auszug erwartet. Am meisten Respekt hatte ich vor dem Briefverkehr, d.h. Briefe, die ich dann bekommen sollte, zu verstehen und selber zu beantworten. Zudem stellte ich es mir als schwer vor mit meinen finanziell begrenzten Mitteln einkaufen zu gehen und mir davon täglich Essen zuzubereiten.
Ich hatte auch große Angst davor alleine und ohne meine Freunde aus der Jugendwohnung zu sein. Die ersten zwei Nächte in meiner eigenen Wohnung bin ich auch heimlich zu meinem Freund in die Jugendwohnung gegangen, was aber bemerkt wurde, so dass sich die Option leider schnell erledigt hatte. Sorgen habe ich mir auch darüber gemacht, krank zu werden in meiner eigenen Wohnung, und selber Arzttermine zu vereinbaren, dort alleine vorzusprechen – wegen meiner Sprachprobleme – und dann mit der Krankschreibung richtig zu verfahren. Des Weiteren wusste ich nicht wie man mit Nachbarn umgeht, z.B. ob man sich dort persönlich vorstellt.

Meine Befürchtungen haben sich in der Anfangszeit in meiner neuen Wohnung teilweise auch bewahrheitet, ich habe aber meistens Wege und Unterstützung gefunden, diese Probleme zu lösen. Ich hatte Probleme mit dem Brief- und E-Mailverkehr. Beim Strom anmelden hat mich zum Glück meine Betreuerin unterstützt, umgemeldet habe ich mich alleine sowie allen wichtigen Stellen meine neue Adresse mitgeteilt. Da ich anfangs mit fast nichts in eine leere Wohnung gezogen bin, musste ich mit dem Geld, aus der beim Jobcenter beantragten Erstausstattung, meine Wohnung komplett einrichten und mir notwendige technische Geräte kaufen. In dem Punkt war meine Betreuerin sehr hilfreich, da sie mir sagen konnte, was man in einer eigenen Wohnung unbedingt benötigt und was nicht. Die Unterstützung meiner Betreuerin wurde Stück für Stück weniger. Während meiner Zeit in der Jugendwohnung war sie gefühlt 24 Stunden/7 Tage für mich da und wir hatten mehrfach die Woche Termine.

Nach dem Auszug aus der Jugendwohnung habe ich zum Glück noch eine 1-jährige ambulante Nachbetreuung bekommen, die ich für mich als sehr hilfreich und wichtig empfunden habe, gerade was den Umzug und die ersten Wochen in der eigenen Wohnung betraf. Meine Betreuerin hat mir schnell einen afghanischen Hausarzt vermittelt, mit dem ich mich leichter verständigen konnte.

Beim alleinigen Einkaufen und Kochen habe ich von den Erfahrungen aus der Jugendwohnungszeit profitiert, da wir dort auch einmal in der Woche selber einkaufen und kochen mussten. Für meine Eingewöhnung in der eigenen Wohnung war es ebenfalls hilfreich, dass ich die Umgebung schon kannte, da die Jugendwohnung in der Nähe war. Zudem hat mich mein bester Freund viel besucht und ich war damit nicht so viel alleine. Dadurch, dass ich in einem Fußballverein war, hatte ich auch viele Termine und gleichaltrige Bezugspersonen, was mir auch zu Gute kam.

Zurückblickend hätte es mir im Übergang sicherlich geholfen, wenn ich noch mehr Unterstützung von meiner Betreuerin bekommen hätte. Die Treffen mit ihr wurden in der ambulanten Nachbetreuung immer weniger und ich hätte gerne weiterhin wöchentliche Termine gehabt, um mit jemanden über meine Probleme und meine Vergangenheit reden zu können und mehr Unterstützung beim Briefverkehr zu haben. Des Weiten hätte ich mir 1-2 weitere wöchentliche Nachhilfetermine während meiner Ausbildung gewünscht, um neben dem Lernen auch über Probleme und Schwierigkeiten in meinem Betrieb reden zu können. Nach dem Ende meiner ambulanten Nachbetreuung war es sehr hilfreich, dass ich einen Bezugssozialarbeiter bei HOME SUPPORT bekam. Die Unterstützung dort ist freiwillig und nicht mehr so intensiv wie von meiner Betreuerin, aber sie helfen viel bei Briefen und Behördenangelegenheiten und es sind auch sehr zeitnahe Termine möglich.