„Auch wenn der Start schwierig ist, stell dir die Frage „Wo will ich hin, was will ich vom Leben?“Du hast vieles selbst in der Hand – werde aktiv! Aufgeben ist keine Option.“

Ich bin Lukas, 23 Jahre alt, mache eine Ausbildung zum Verkäufer und wurde von meinem 16. Lebensjahr bis ich 21 wurde, ambulant im Rahmen der Jugendhilfe betreut. In der Zeit lebte ich bei meinen Eltern und wäre gerne in eine Jugendwohnung oder in den trägereigenen Wohnraum gezogen, was mir der ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst) jedoch nicht bewilligte.

Streng genommen bin ich laut offizieller Definition also gar kein richtiger „Care Leaver“, denn ich war nie in stationärer Kinder- und Jugendhilfe. Das bedeutet aber nicht, dass die Beendigung der Hilfe mit meinem 21. Lebensjahr für mich weniger bedeutsam war.

Meinem Betreuer habe ich eine ganze Menge zu verdanken. Es ging mir bis zu meinem 16. Lebensjahr sehr schlecht und ich habe viele Dinge erlebt und gemacht, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Mein Betreuer war der erste Mensch, der mich ernst genommen hat, mich immer wieder angeschoben und in die „richtige Richtung geschubst“ hat. An den Wochenenden und in meiner Freizeit habe ich viel Zeit in der Jugend-WG verbracht, in der er arbeitete. Ich erlebte diesen Ort, der sich außerhalb meines gewohnten Umfeldes befand als einen Schutzraum, in dem ich willkommen war, Freundschaften schloss und in dem ich mich gerne aufhielt. Gerne hätte ich hier auch gelebt.

Die Jugendwohnung war wie eine Insel für mich und zu meinem Betreuer konnte ich eine tragfeste, verlässliche Beziehung aufbauen, die mir den Übergang in die eigene Wohnung und raus aus der Jugendhilfe enorm erleichterte, denn: Ich konnte mich auch nach Beendigung der Hilfe darauf verlassen, dass er für mich ansprechbar bleibt. Das ist nicht selbstverständlich. Zu wissen, dass er da ist, Interesse an mir als Person hat und ich ihm zu 100% vertrauen kann, hat mir sehr geholfen.

Die größte Schwierigkeit auf dem Weg in die eigene Wohnung stellte für mich dar, dass ich mich bis zu meinem 21. Lebensjahr hoch verschuldet und einen SCHUFA-Eintrag hatte. Natürlich sagte mir kein Vermieter, dass es an der SCHUFA lag, dass ich keine Zusage für die Wohnung bekam, doch ansonsten hatte ich eigentlich gute Voraussetzungen: Ich hatte 2015, also noch vor Beendigung der Hilfe, einen Ausbildung zum Verkäufer bekommen und ein gutes, regelmäßiges Einkommen.

Ich blieb also zunächst bei meinen Eltern zur Untermiete wohnen und hatte das Gefühl:
„Ich hab zwar meine Eltern, aber kein Zuhause“. Ich wollte raus, hatte aber die Möglichkeit nicht. Und das nur wegen der Schulden. Das blieb so bis zu dem Moment, wo sich ein Freund von mir bereit erklärte, mit mir gemeinsam eine WG zu gründen und selbst Hauptmieter zu werden. So schaffte ich es in die eigene Wohnung.

Ich bin sehr selbständig, und wusste, dass ich alleine in einer Wohnung klar kommen würde. Die vielen Absagen aufgrund meiner Schulden waren aber ganz schön frustrierend. Mein Betreuer hat mich immer wieder motiviert. Sowohl in Bezug auf die Ausbildung, die Wohnungssuche, als auch in anderen Lebenslagen. Er stellt nach wie vor meine wichtigste Vertrauensperson für mich dar. Auch noch 2 Jahre nach Beendigung der Hilfe.

Meine Ausbildung – die ich während der Zeit der Jugendhilfe beginnen konnte – hat mir neue Perspektiven eröffnet und nach all dem Mist, den ich früher erlebt habe, habe ich mittlerweile große Ziele im Leben. Ich will nach meiner Ausbildung vielleicht studieren und später Bezirksleiter einer großen Einzelhandelskette werden. Für mich ist es wichtig, Ziele zu haben. Und ich glaube daran, dass ich es schaffen kann, wenn ich es anpacke.

„Das Potenzial kennt keine Grenzen. Du entscheidest wer du sein willst. Grenzen existieren nur im Kopf.“