„Fragt Freunde, die die gleiche Erfahrung des Auszuges aus der Jugendwohnung schon hinter sich haben!“

Ich bin nach meiner Flucht aus Afghanistan im Juli 2012 in Deutschland angekommen. Nach ein paar Monaten in einer Erstaufnahmeeinrichtung bin ich in eine Jugendwohnung gezogen. Ungefähr 1 ½ Jahre vor meinem 21. Lebensjahr, was das späteste Ende der Jugendhilfe in Hamburg bedeutet, wurde mir durch meinen Betreuer mitgeteilt, dass ich mir eine eigene Wohnung suchen muss und nicht länger in der Jugendwohnung wohnen bleiben kann, bzw. maximal so lange, bis ich 21 Jahre alt werde.
Ich musste mir in den nun folgenden Monaten selbst eine Wohnung suchen und hatte kaum Unterstützung durch meinen Betreuer. Ich habe Freunde gefragt, wie sie eine Wohnung gefunden haben, da sie diese Erfahrung schon erfolgreich gemacht hatten.

Je mehr Zeit verging, desto mehr stand ich unter Druck, nun schnell eine Wohnung finden zu müssen. Diese Situation hat mich sehr belastet, da die ganze Last auf meinen Schultern lag. Im letzten Moment, kurz vor Ende der Jugendhilfe, habe ich durch ein Internetinserat eines privaten Vermieters, wo ich spontan angerufen habe, doch noch eine Wohnung gefunden, auch wenn die Wohnung eigentlich viel zu teuer für mich war, da ich während meiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann nicht viel Geld zur Verfügung hatte. Aber ich hatte keine andere Option mehr und musste die zu teure Wohnung nehmen, die ich dank eines Absicherungsvertrages durch Lawaetz Jugend und Wohnen auch bekam.

Als ich den Mietvertrag unterschrieben hatte, stellten sich bei mir ein gutes Gefühl und eine enorme Erleichterung ein. Ich freute mich auf meine eigenen vier Wände, da ich die Vorstellung besaß, dort endlich tun und lassen zu können, was ich möchte. Ich hatte mir nicht viele Gedanken darüber gemacht, was mit dem Auszug aus der Jugendwohnung auch für Herausforderungen und Schwierigkeiten auf mich zukommen könnten.

Die ersten drei Monate in meiner neuen Wohnung waren die schwierigsten. Besonders die Finanzierung meiner teuren Wohnung trieb mir einige Schweißperlen auf die Stirn.
Die Wohnung war beim Einzug komplett leer und ich brauchte dringend Geld für Miete, Kaution, Möbel und elektronische Geräte. Da mein Ausbildungsgehalt zur Finanzierung der Wohnung und die anderen zu besorgenden Dinge nicht ausreichte, beantragte ich Berufsausbildungsbeihilfe und Kindergeld. Wo und wie ich das beantragen muss, recherchierte ich im Internet oder fragte Freunde, wie die das gemacht hatten.

Vom Jugendamt bekam ich eine 3-monatige ambulante Nachbetreuung bei meinem Betreuer genehmigt. Diese hat mir aber sehr wenig geholfen, da insgesamt nur 3-4 Termine mit meinem Betreuer stattgefunden haben, wo die Budgetplanung das Hauptthema war, aber nicht wie und wo ich die Gelder beantrage, um meine Wohnung zu finanzieren. Ich musste auch alleine einige Verträge mit Versorgungsdienstleistern abschließen, um Strom, Wasser und Gas anzumelden. Dafür musste ich herausfinden, was die günstigsten und besten Anbieter sind. Das fand ich auf Vergleichsportalen im Internet heraus. Zudem kann ich mich daran erinnern, dass das Ummelden sehr kompliziert war und es lange gedauert hat, dafür einen Termin zu bekommen.

Des Weiteren musste ich mich in den ersten Monaten erstmal an die neue Umgebung in Harburg gewöhnen, da meine Jugendwohnung im Stadtteil Altona lag. Ich musste erstmal herausfinden, wo was ist, z.B. geeignete Supermärkte. Dies fand ich durch Stadtteilspaziergänge heraus, wodurch ich die neue Umgebung erkundete. Harburg gefällt mir als Stadtteil nicht so gut wie Altona, aber ich halte mich dort durch meine Ausbildung und anderswo wohnende Freunde eh nur zum Schlafen in meiner Wohnung auf.

Rückblickend hätte ich mir mehr Unterstützung bei der Wohnungssuche durch meinen Betreuer gewünscht, da das reine Abklappern aller Baugenossenschaften in Hamburg bei mir nicht von Erfolg gekrönt war. Zudem wäre eine intensivere Nachbetreuung durch meinen Betreuer hilfreich gewesen, um mich z.B. durch Infos, wo man Gelder beantragen kann, und durch Ämterbegleitungen zur Finanzierung der Wohnung zu unterstützen.

Ich kann allen Care Leavern, die die gleiche Situation wie ich durchleben, nur raten, Freunde zu fragen, die die gleiche Erfahrung des Auszugs aus der Jugendwohnung schon hinter sich haben und wie sie die anfallenden Dinge erfolgreich bewältigt haben. Zudem findet man viele Infos, die man beim Auszug und Einzug in die eigenen vier Wände benötigt, im Internet.